Innovation ist 1% Inspiration und 99% Transpiration, so Edison.
Menschen investieren viel Zeit und Energie in die Entwicklung neuer Ideen. Da fällt es schwer loszulassen, wenn wir erkennen, dass unsere – oft heißgeliebten und emotional aufgeladenen – Ideen nicht gut genug sind. „Kill your darling“ wird dieser Prozess auch genannt. Er ist Teil der „Design Thinking“-Methode, die dazu dient, Probleme auf innovative Art zu lösen und dabei stets den Anwender in den Mittelpunkt stellt.
Gemeint ist der bewusste Verzicht auf eine Idee, ein Konzept oder ein Projekt, das man liebt – weil es trotz emotionaler Bindung nicht (mehr) das Richtige ist. Für viele Innovator:innen klingt das zunächst wie ein Widerspruch: Wie kann man die Dinge loslassen, in die man bereits Zeit, Energie und Leidenschaft investiert hat? Doch gerade diese Fähigkeit entscheidet oft über Erfolg oder Stillstand. Nur wer bereit ist, Ideen zu verwerfen, wird in der Lage sein, seine Energien auf Neues auszurichten.
Was bedeutet „Kill your Darling“ im Innovationskontext?
Der Begriff stammt ursprünglich aus der Literatur: Wenn Autor:innen zu sehr an einzelnen Formulierungen hängen, können diese den Fortschritt der Geschichte behindern. Der US-amerikanische Schriftsteller und Träger des Nobelpreises für Literatur William Faulkner hat einmal gesagt: „In writing, you must klill your darlings.“ Das bedeutet, dass man sich von den Dingen in seiner Geschichte trennen sollte, die einem zwar ans Herz gewachsen sind, aber nichts zur Story beitragen. Ähnlich verhält es sich mit Innovationen. Teams entwickeln starke Bindungen zu ihren Ideen – insbesondere, wenn sie diese selbst erdacht oder über Monate hinweg ausgearbeitet haben. Doch was für Innovationen gilt, gilt auch für Projekte oder Kunden. Wie oft werden tote Pferde auch im Vertrieb geritten, obwohl sie schon längst keine Erträge mehr abwerfen. Trotzdem werden sie immer noch regelmäßig vom Außendienst besucht.
Die Kill-your-Darling-Einstellung bedeutet im Innovationsmanagement:
- ehrliche Selbstreflexion über die eigene Idee,
- das Einholen objektiver Daten,
- das Loslassen liebgewonnener, aber hinderlicher Konzepte,
- und die Bereitschaft, Raum für Besseres zu schaffen.
Warum ist diese Haltung so wichtig?
1. Vermeidung von Pfadabhängigkeiten
Innovationsprozesse geraten leicht in eingefahrene Bahnen. Ist eine Idee erst geboren, folgen oft Investitionen, Meetings und Entscheidungen, die den Weg „zementieren“. Die Kill-your-Darling-Einstellung bricht diese Pfadabhängigkeit und öffnet den Blick für Alternativen.
2. Risikominimierung
Manche Ideen sind faszinierend – aber nicht marktfähig. Andere sind technisch brillant – aber praktisch unrealisierbar. Der rechtzeitige Ausstieg verhindert Ressourcenverschwendung und schützt das Unternehmen vor teuren Fehlentwicklungen.
3. Fokus auf Kundennutzen statt Ego
Innovationen scheitern selten an Technologie, sondern häufig an mangelnder Nutzerorientierung. Kill your Darling stellt sicher, dass der Kundennutzen über dem Ego einzelner Teammitglieder steht.
4. Beschleunigung von Lernprozessen
Das Verwerfen einer Idee ist kein Scheitern, sondern ein Lernschritt. Dinge zu eliminieren, die nicht funktionieren, schafft Klarheit und beschleunigt iterative Prozesse.
5. Förderung einer Kultur der Offenheit
Ein Team, das bereit ist, liebgewonnene Ideen zu hinterfragen, entwickelt eine gesunde Innovationskultur. Mut, Transparenz und konstruktive Kritik werden zur Norm – nicht zur Ausnahme.
Wie lässt sich die Kill-your-Darling-Einstellung implementieren?
1. Klare Entscheidungsmetriken definieren
Objektive Kriterien wie:
- Marktpotenzial
- technische Machbarkeit
- Kosten-Nutzen-Verhältnis
- strategische Passung
helfen, emotionale Bindungen zu relativieren. Hier gilt es datenbasiert immer wieder zu überprüfen, ob wir unser Innovationsprojekt noch in die richtige Richtung steuern.
2. Iterative Feedback-Schleifen etablieren
Je früher Nutzerfeedback eingeholt wird, desto leichter fällt es, schwache Ideen zu erkennen und abzulegen. Deshalb gilt es immer wieder Teilaspekte einer Idee immer wieder mit den Stakeholdern zu besprechen und deren Meinung einzuholen.
3. Psychological Safety fördern
Teammitglieder müssen sich sicher fühlen, Zweifel zu äußern oder eigene Ideen zur Disposition zu stellen. Ohne psychologische Sicherheit gibt es keine echte Innovationskultur.
4. Fail-fast-Methoden nutzen
Rapid Prototyping und Experimente verkürzen die Zeit zwischen Idee und Erkenntnis. Dadurch wird das Abschiednehmen weniger schmerzhaft.
5. Erfolgsgeschichten des Loslassens kommunizieren
Viele bahnbrechende Innovationen entstanden, weil Teams alte Ansätze bewusst verworfen haben. Solche Geschichten zeigen: Loslassen kann ein strategischer Vorteil sein.
Welche positiven Auswirkungen kann das haben?
- Effizienter Ressourceneinsatz: Zeit und Budget fließen in Projekte mit echtem Potenzial.
- Höhere Innovationsqualität: Gute Ideen verdrängen mittelmäßige.
- Schnellere Markteinführungen: Weniger Ballast – mehr Fokus.
- Stärkere Anpassungsfähigkeit: Das Unternehmen reagiert schneller auf Marktveränderungen.
- Verbesserte Teamdynamik: Offenheit und Ehrlichkeit stärken das Vertrauen.
Fazit
Die Kill-your-Darling-Einstellung ist im Innovationsmanagement keine destruktive Haltung – im Gegenteil: Sie ist ein Motor für Fortschritt. Wer bereit ist, liebgewonnene, aber hinderliche Ideen loszulassen, schafft Raum für echte Innovationen. Es ist ein Prozess, der Mut erfordert, aber dafür die Chance eröffnet, aus vielen guten Ideen die beste zu machen.
Eine Innovation ist kein statisches Produkt. Sie ist ein lebendiger Prozess – und manchmal gehört dazu, sich von alten Lieblingen zu trennen, um neue Möglichkeiten zu schaffen.
Unsere Erfahrung – Dein Vorteil.
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2 Kommentare zu „Kill your Darling: Warum wir erst durch das Loslassen innovativ werden“